Sogenannte "paradoxe" Reaktionen
Laut Prof. Malcolm Lader weisen 5 % derjenigen, denen Benzodiazepine verschrieben wurden, psychische sogen. "paradoxe" Reaktionen auf. Anstatt der erwarteten be-ruhigenden Wirkung verursacht das Präparat z.B. gesteigerte Unruhe und Alpträume. Weiterhin kommt Aggressivität, mit oder ohne gewaltsames und selbstzerstörendes Verhalten, ebenso Depression - manchmal vereint mit ernsthaften Suizidgedanken und auch Suizidversuchen vor. Impulsives Verhalten, z. B. Ladendiebstahl oder andere Gesetzesübertretungen sind auch als sogen. "paradoxe" Benzodiazepinreaktionen bezeichnet worden und in der Fachliteratur beschrieben, seitdem die ersten Benzodiazepine in den frühen 60er Jahren auf den Markt kamen.
Ausser diesen Persönlichkeitsveränderungen kommen in seltenen Fällen auch psychische Symptome wie Halluzination, Dissoziation, Depersonalization, Derealization und andere psychotische Reaktionen vor. Vor allem Präparate mit kurzen Halbwertszeiten, z.B. Temesta, Halcion und Rohypnol können diese ernsthaften und für den einzelnen Menschen verheerenden Nebenwirkungen hervorrufen. Leider werden diese psychischen Reaktionen oft falsch diagnostiziert und anstatt die Präparate langsam auszusetzen bilden die falschen Befunde den Grund für fortgesetzte Verschreibung der Arzeneien, welche die Symptome verursacht haben.
Der Gefahr für "paradoxe" Reaktionen ausgesetzt zu werden ist besonders deutlich bei jüngeren bzw. älteren PatientInnen. Diese Nebenwirkungen kommen aber bei allen Altersgruppen vor. Mehrere unprovozierte Gewaltsverbrechen können ganz oder teilweise auf "paradoxe" Reaktionen zufolge des Einnehmens von Benzodiazepinen zurückgeführt werden. Es ist wichtig daran zu erinnern, dass die "paradoxen" Effekte schon nach kurzer Zeit des Einnehmens auftreten können.
Langfristige Nebenwirkungen
Alle psychischenVeränderungen, die under der Überschrift "paradoxe" Reaktionen beschrieben wurden, sind auch Kennzeichen für langfristige Nebenwirkungen, wenn Gebrauch oder Missbrauch chronisch ist und seit Monaten oder Jahren läuft. Die langfristigen Nebenwirkungen kommen bedeutend häufiger vor als die"paradoxen" Reaktionen. Dies hängt teils damit zusammen, dass die PatientInnen dosentolerant geworden sind (kommt häufig bei Präparaten mit kurzer Halbwertszeit wie z.B. Temesta, Halcion, Xanor und auch bei Sobril vor) und teils mit der Intoxikation auf Grund des chronischen Konsums und Speicherung der Wirkstoffe (dies ist gewöhnlich bei Mitteln mit langer Halbwertszeit z.B. Iktorivil, Valium und Tranxilen).
Die langfristigen Nebenwirkungen können sich z.B. als Depression äussern,oft vereint mit ernsthaften Suizidgedanken, weiter als Agressivität, Gereiztheit und andere Zeichen für angegriffene psychische Gesundheit und schrittweisen Persönlichkeitsveränderungen. Die langfristigen Anwender können sich müde und lustlos fühlen, sie können passiv sein, haben gestörte Gedächtnisfunktionen und reduzierte kognitive Fähigkeiten.
(Übersetzung: Karin Pütger, Schweden)